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Mirjam

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16

Mittwoch, 10. Juli 2013, 18:05

Wo begann die Einsamkeit?

Ganz am Anfang ging es ja auch darum, dass man sich einsam fühlen kann, obwohl man doch eigentlich "in Gemeinschaft" ist (so wie wir bisher hier Gemeinschaft definiert haben.
Ich hatte dazu noch ein paar Gedanken, die ich heute mal in eine Mail gefasst und einem mir liebgewordenen Menschen geschickt habe.
Da ich euch auch mit meiner Frage konfrontiert ;) habe, möchte ich euch an meinen Gedanken dazu teilhaben lassen.

Ich sage nicht, dass es so ist, wie ich es schreibe.
Doch ich kann es so sehen und glauben.
Hier also meine Mail, beginnend mit der Frage:

Wo begann sie, die Einsamkeit?

Mit der Erkenntnis von Gutem und Bösem.

Im Garten Eden, bevor Adam u. Eva diese Erkenntnis besassen, lebten sie im Licht Gottes.

Zitat

1. Mo. 2, 25
Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und sie schämten sich nicht.


Sie waren nicht einsam, hatten Gemeinschaft miteinander und mit Gott.

Das erste, was sie erkannten, nachdem sie beide gegessen hatten:

Zitat

1. Mo. 3, 6 + 7a
Und die Frau sah, daß der Baum gut zur Speise, und daß er eine Lust für die Augen, und daß der Baum begehrenswert wäre, um Einsicht zu geben; und sie nahm von seiner Frucht und aß, und sie gab auch ihrem Manne mit ihr, und er aß.
Da wurden ihrer beider Augen aufgetan, und sie erkannten, daß sie nackt waren;


Einsamkeit begann mit dem erkennen des "nackt seins". Die Folge bzw. Reaktion darauf ist: "verbergen" oder "verstecken":

Zitat

1. Mo 3, 7b
und sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich Schürzen.

und

Zitat

8 Und sie hörten die Stimme Gottes, des Herrn, der im Garten wandelte bei der Kühle des Tages. Und der Mensch und seine Frau versteckten sich vor dem Angesicht Gottes, des Herrn, mitten unter die Bäume des Gartens.


Da begann die Einsamkeit.
"Nackt sein" bedeutet im Wort Gottes nicht nur, den Körper unbedeckt zu haben. Bei Gott geht es hier auch um unser Herz und allem, was darin so vor sich geht.
Wenn wir auch im "bedecken" unseres Körpers oft sehr oberflächlich sind, so haben wir es doch gelernt, unser Herz sehr sorgfältig zu bedecken und zu verstecken.
Und (so glaube ich es) genau das ist es, was uns einsam macht.

Und wo endet sie?
Im Licht Gottes, nackt, unbedeckt und unversteckt.

Zitat

1. Joh 1,7 Wenn wir aber in dem Lichte wandeln, wie er in dem Lichte ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde.


Das geht nur als Kind

Zitat

Mt 18,3 und sprach: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehret und werdet wie die Kindlein, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen.


Kinder sehen sich ohne Scham nackt.
Kinder sind, wie sie sind. Sie verstellen sich nicht, verstecken ihre "Macken" nicht.
Kinder reden über alles, was sie denken.
Kinder tragen keine Verantwortung, die tragen die Eltern.

Solange wir unsere Herzen (und das ist es ja, was bei Gott zählt) voreinander "bedecken" und "verstecken", egal, was für Gründe wir dafür haben, leben wir weder im Licht, noch werden wir Gemeinschaft miteinander haben können.
Solange wir die Gedanken in unseren Herzen voreinander verbergen, sei es dass wir die Verantwortung selbst tragen, also "älter, weiser, reifer, vernünftiger und verständiger" geworden sind, sei es, dass wir meinen, uns vor Verletzungen selbst schützen zu müssen werden wir einsam sein und im Dunkel sitzen.

So können wir nur Gemeinschaft miteinander haben, wenn wir gemeinsam als Kinder zu den Füßen Jesu sitzen,
in Seinem Licht, das alles durchdringt,
nichts mehr verbergen und verstecken, weder vor Ihm noch voreinander,
erkannt von Gott, inklusive aller Macken, Mißbildungen, Fehlern, Sünde und Schuld,
TROTZDEM
geliebt,
angenommen
sowohl ich, als auch Du.

Uns gemeinsam ins Licht stellen, das kann nur Jesus "machen", das können wir nicht.
Wenn wir es mit eigenem Bemühen versuchen, weil wir erkennen, dass das die Wahrheit ist und wir uns nach Gemeinschaft sehnen, werden wir scheitern.
Wir können es noch so sehr wollen und uns wünschen, doch aus uns selbst heraus können wir weder uns selbst, noch unseren Nächsten im Licht ertragen.
Dazu brauchen wir ein Wunder.
Das Wunder der Liebe.

Gott segne euch - Mirjam
Fürwahr, ich bin unvernünftiger als irgend einer, und Menschenverstand habe ich nicht. Und Weisheit habe ich nicht gelernt, daß ich Erkenntnis des Heiligen besäße. (Sprüche 30, 2+3) :yes:

linde

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17

Mittwoch, 10. Juli 2013, 22:24

Danke für deinen Beitrag, Mirjam!

18

Freitag, 12. Juli 2013, 07:33

Hallo Mirjam, danke für Deine Gedanken zum Thema Gemeinschaft. An diesem Ansatz bin ich "hängen geblieben".

Kinder sehen sich ohne Scham nackt.
Kinder sind, wie sie sind. Sie verstellen sich nicht, verstecken ihre "Macken" nicht.
Kinder reden über alles, was sie denken.
Kinder tragen keine Verantwortung, die tragen die Eltern.

Solange wir unsere Herzen (und das ist es ja, was bei Gott zählt) voreinander "bedecken" und "verstecken", egal, was für Gründe wir dafür haben, leben wir weder im Licht, noch werden wir Gemeinschaft miteinander haben können.
Solange wir die Gedanken in unseren Herzen voreinander verbergen, sei es dass wir die Verantwortung selbst tragen, also "älter, weiser, reifer, vernünftiger und verständiger" geworden sind, sei es, dass wir meinen, uns vor Verletzungen selbst schützen zu müssen werden wir einsam sein und im Dunkel sitzen.


Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich Dich richtig verstanden habe. Mein Gedanke beim Lesen war: Nicht jeder Gedanke, der mir spontan durch den Kopf schießt, ist mitteilenswert. Ich differenziere da gern zwischen Ehrlichkeit und Wahrheit, wobei ich beobachtet habe, dass es oft zwar ehrlich wäre, wenn ich einen Gedanken, der mir vielleicht in einem Moment durch den Kopf geht, aussprechen würde, aber - wäre es auch die Wahrheit, die standhält, wenn ich ihn einer Prüfung unterziehen würde? Einer Prüfung, die den Kriterien der Notwendigkeit, der (tieferen) Wahrheit und der Liebe verpflichtet ist?

Beim genaueren Nachdenken z.B. über meine (vorschnellen) Urteile und Einschätzungen erkenne ich oft, dass meine spontanen Impulse mir weder über mich selbst noch über mein Gegenüber die tiefere Wahrheit offenbaren. Dazu braucht man noch nicht einmal so weit zu gehen, sich klarzumachen, dass wir alle und unsere Wirklichkeit ja nur konstruieren und zwar Bedeutungen in gewissem Umfang teilen, aber niemals die Realität sehen können, so wie sie ist. Wir können auch nicht die Wirklichkeit so sehen, wie sie unser Gegenüber wahrnimmt.

Diese Erkenntnis macht mich vorsichtiger in Bezug auf das, was mir so durch den Kopf geht, was mich manchmal im Herzen bewegt...

Das bedeutet nicht, dass ich z.B. Schmerz, Trauer und Ärger immer runterschlucke. Aber ich versuche schon zu schauen, ob und wie ich das jeweils zum Ausdruck bringe.

Und ich fühle mich dann nicht "im Dunkeln" sitzen, wenn ich etwas nicht sage, wenn ich mich meinem Gegenüber nicht bis ins Letzte offenbare, sondern im Gegenteil: Wenn ich einen Moment Abstand gewinne zu dem, was aus meinem Herzen stammt, von dem die Bibel ja ein nicht uneingeschränkt positives Bild vermittelt :verlegen: , dann kann ich zum Beispiel mein jeweiliges Gegenüber neu sehen: Nicht nur im Licht seines Versagens oder meiner Ängste, sondern im Licht seines Bemühens, seiner Verletzungen (z.B. durch mich...), seiner Kämpfe und schmerzhaften Niederlagen und seiner eigenen Begrenzungen, als das, was ihn - wie mich selbst - oft daran hindert, so zu sein, wie er sein könnte oder auch gern sein würde.

Dann kann ich den Anderen gnädiger, barmherziger, mit mehr Verständnis sehen - geschwisterlicher eben. Und das verstehe ich dann nicht als Verleugnung meiner Wahrheit, als Verbergen der Wahrheit meines Herzens, sondern ich mache dadurch den Weg frei zu einer tieferen Gemeinschaft, die den Namen Geschwisterlichkeit verdient.

So können wir nur Gemeinschaft miteinander haben, wenn wir gemeinsam als Kinder zu den Füßen Jesu sitzen,
in Seinem Licht, das alles durchdringt,
nichts mehr verbergen und verstecken, weder vor Ihm noch voreinander,
erkannt von Gott, inklusive aller Macken, Mißbildungen, Fehlern, Sünde und Schuld,
TROTZDEM
geliebt,
angenommen
sowohl ich, als auch Du.


Schöne Gedanken, die ich weitgehend teilen kann. Trotzdem haben wir, wie ich oben ausführte, auch eine gewisse Verantwortung für das, was wir sagen, denn wir werden für jedes Wort Rechenschaft ablegen müssen. Von dieser Verantwortung entbindet uns Gott nicht.

Was ich allerdings auch finde, wenn ich Dich richtig verstehe: Wir sollen mehr Mut haben, uns mit unseren Schwächen und unseren "Macken" einander zu offenbaren. Da finde ich Ehrlichkeit sehr verbindend und türöffnend. Und auch mehr Mut, Wertschätzung und Anerkennung zum Ausdruck zu bringen.

Uns gemeinsam ins Licht stellen, das kann nur Jesus "machen", das können wir nicht.
Wenn wir es mit eigenem Bemühen versuchen, weil wir erkennen, dass das die Wahrheit ist und wir uns nach Gemeinschaft sehnen, werden wir scheitern.
Wir können es noch so sehr wollen und uns wünschen, doch aus uns selbst heraus können wir weder uns selbst, noch unseren Nächsten im Licht ertragen.
Dazu brauchen wir ein Wunder.
Das Wunder der Liebe.


Doch, ich glaube, Gott hat uns in seiner Barmherzigkeit die Möglichkeit geschenkt, erste Schritte zu tun, zu prüfen und abzuwägen. Trotzdem glaube ich wie Du, wenn ich Dich richtig verstehe, dass es immer Gottes Gnade ist, wenn unser guter Wille erwacht, dass er von Gott geweckt und geführt wird. Ohne Gott geht gar nichts.

Gott segne euch - Mirjam


Dich auch, Mirjam, und sei lieb gegrüßt!
Dankbarkeit ist die Wachsamkeit der Seele gegen die Kräfte der Zerstörung. (Anonym)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Malu« (12. Juli 2013, 07:40)


Mirjam

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19

Samstag, 13. Juli 2013, 16:13

Hallo Malu,
an Deiner Antwort habe ich heute morgen erkannt, wie unmöglich es ist, "fremde" Menschen in einem Forum an meinen Gedankenfetzen teilhaben zu lassen.
Ja richtig, für mich sind das, was ich versuche, in einen Beitrag (oder eine Mail) zu fassen, immer nur "Fetzen".

Wenn ich allumfassend glauben würde, dass nur die im Licht leben, die all ihre Gedanken unkontrolliert freien Lauf lassen würden, wäre ich ein Narr.
Und darum hast Du mir solchen Einwänden
Mein Gedanke beim Lesen war: Nicht jeder Gedanke, der mir spontan durch den Kopf schießt, ist mitteilenswert.

natürlich recht.
Und wenn ich dann noch Deine Erklärung zu Deinem "Schweigen" lese, dann stimme ich Dir auch hier
Und ich fühle mich dann nicht "im Dunkeln" sitzen, wenn ich etwas nicht sage,

vollkommen zu.

Ich muss jetzt weg, vielleicht später nochmal mehr von mir, wenn ich meine Gedanken sortiert bekomme :)
Liebe Grüsse - Mirjam
Fürwahr, ich bin unvernünftiger als irgend einer, und Menschenverstand habe ich nicht. Und Weisheit habe ich nicht gelernt, daß ich Erkenntnis des Heiligen besäße. (Sprüche 30, 2+3) :yes:

20

Samstag, 13. Juli 2013, 18:58

Liebe Mirjam, es ist doch im Internet generell schwierig, sich zu verständigen. Deshalb müssen wir immer bereit sein nachzufragen, eigene Irrtümer beim Verstehen für möglich zu halten und unsere Meinungen immer wieder abzugleichen, anzunähern oder voneinander abzugrenzen. Aus solchen Prozessen, die oft durch viele Irrtümer gingen, habe ich schon viel gewonnen und bin mir dabei meiner eigenen Gedanken und Standpunkte viel bewusster geworden.

Allerdings habe ich auch schon böse Enttäuschungen erlebt - und sicher auch bereitet. Wenn keine Bereitschaft mehr da ist nachzufragen oder auch das eigene Verständnis selbstkritisch zu hinterfragen, wenn dem Gegenüber nichts Gutes mehr unterstellt wird, sondern nur noch Angriffe gesehen werden und wenn dann, die Richtigkeit des eigenen Verstehens voraussetzend, sofort los- und zurückgefeuert wird - das kann schon ganz schön heftige Verletzungen verursachen.

Aber auch daraus kann man lernen und daran kann man wachsen. Es ist alles eine Frage der Erwartungen und der eigenen Bereitschaft, sich einzulassen, sich kritisch selbst zu hinterfragen und sich vom Gegenüber spiegeln zu lassen.

Ich fand Deine Anregungen zu diesem Austausch sehr interessant und habe mich gern beteiligt. In der Grundaussage, wie ich sie verstehe, stimme ich Dir vollkommen zu: Sich voreinander mit Schwächen, Verletzbarkeiten und unseren Dunkelheiten zu offenbaren, kann so viel Nähe schaffen! Und Du hast recht: Wir können einander dann oft nur mit Gottes Hilfe in diesem Licht der Wahrhaftigkeit ertragen. Dieser Gedanke war für mich noch einmal eine wichtige Bestätigung und auch Ermutigung, denn die Hilfe, einander und auch uns selbst (!) in Liebe und Geduld zu ertragen - so oder so - ist immer nur ein Gebet weit von uns entfernt. Aber wahrscheinlich müssen wir noch nicht einmal um Hilfe bitten, denn uns ist ja eine vorauseilende Fürsorge zugesichert: Noch bevor ihr mich bittet, will ich euch erhören.

Darauf sollten wir bei jedem Austausch vertrauen und uns einlassen, es für möglich halten und uns auch daran freuen, wenn wir den eigenen Horizont an den Fragen und Gedanken der anderen erweitern können.

Sei lieb gegrüßt, Mirjam, und lass uns auch weiterhin an Deinen "Gedankenfetzen" teilhaben - und wenn sie Nachfragen auslösen, umso besser! Denn wir alle sind ja Lernende auf diesem Weg.

:blumli:
Dankbarkeit ist die Wachsamkeit der Seele gegen die Kräfte der Zerstörung. (Anonym)

Mirjam

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21

Montag, 15. Juli 2013, 12:47

Danke Malu für Deine lieben Worte.
Ja, es gibt viel Streit unter Menschen, besonders in Foren. Dafür gibt es wohl viele Gründe, einige hast Du ja genannt.

Ein Punkt, der mir immer wieder auffällt ist, dass es uns scheinbar sehr schwer fällt, uns mal wirklich auf den anderen einzulassen und zu versuchen, mit seinen "Augen" zu sehen. Wir setzen immer gleich dagegen, was wir selber sehen.
Besonders unter Gläubigen empfinde ich das. Es ist schwer bis unmöglich, sich über Glaubensfragen schlicht und einfach nur auszutauschen.
Stattdessen halten wir dagegen und wundern uns dann noch, dass wir zu Gegnern werden.

Ja, wir Menschen sind schon ganz besonders :nach-denk:

Eine sonnige Woche wünsche ich Dir und allen Mitlesern und liebe Grüße an Ket. Ich freu mich darauf, wenn sie wieder da ist.
:herzchen1: - Mirjam
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Rejanja

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22

Freitag, 19. Juli 2013, 01:53

Was ich als sehr gelungene Darstellung zum Thema Gemeinschaft finde sind diese Worte :

Einsamkeit und Gemeinschaft

Wer nicht allein sein kann, der hüte sich vor der Gemeinschaft. Er wird sich selbst und der Gemeinschaft nur Schaden tun. Allein standest du vor Gott, als er dich rief, allein mußtest du dem Ruf folgen, allein mußtest du dein Kreuz aufnehmen, mußtest du kämpfen und beten, und allein wirst du sterben und Gott Rechenschaft geben. Du kannst dir selbst nicht ausweichen; denn Gott selbst hat dich ausgesondert. Willst du nicht allein sein, so verwirfst du den Ruf Christi an dich und kannst an der Gemeinschaft der Berufenen keinen Anteil haben.

Umgekehrt aber gilt der Satz: wer nicht in der Gemeinschaft steht, der hüte sich vor dem Alleinsein. In der Gemeinde bist du berufen, der Ruf galt nicht dir allein, in der Gemeinde der Berufenen trägst du dein Kreuz, kämpfst du und betest du. Du bist nicht allein, selbst im Sterben und am jüngsten Tage wirst du nur ein Glied der großen Gemeinde Jesu Christi sein. Mißachtest du die Gemeinschaft der Brüder, so verwirfst du den Ruf Jesu Christi, so kann dein Alleinsein dir nur zum Unheil werden.

Wir erkennen: nur in der Gemeinschaft stehend können wir allein sein, und nur wer allein ist, kann in der Gemeinschaft leben. Beides gehört zusammen. Nur in der Gemeinschaft lernen wir recht allein sein und nur im Alleinsein lernen wir recht in der Gemeinschaft stehen. Es ist nicht so, daß eines vor dem andern wäre, sondern es hebt beides zu gleicher Zeit an, nämlich mit dem Ruf Jesu Christi.

Jedes für sich genommen hat tiefe Abgründe und Gefahren. Wer Gemeinschaft will ohne Alleinsein, der stürzt in die Leere der Worte und Gefühle, wer Alleinsein sucht ohne Gemeinschaft, der kommt im Abgrund der Eitelkeit, Selbstvernarrtheit und Verzweiflung um.

Wer nicht allein sein kann, der hüte sich vor der Gemeinschaft. Wer nicht in der Gemeinschaft steht, der hüte sich vor dem Alleinsein.

Das Merkmal der Einsamkeit ist das Schweigen, wie das Wort das Merkmal der Gemeinschaft ist. Schweigen und Wort stehen in derselben inneren Verbundenheit und Unterschiedenheit wie Alleinsein und Gemeinschaft. Es gibt eines nicht ohne das andere. Das rechte Wort kommt aus dem Schweigen, und das rechte Schweigen kommt aus dem Wort.

Schweigen heißt nicht Stummsein, wie Wort nicht Gerede heißt. Stummsein schafft nicht Einsamkeit und Gerede schafft nicht Gemeinschaft. Das Wort, das die Gemeinschaft neu begründet und zusammenschließt, wird begleitet vom Schweigen. "Schweigen und reden hat seine Zeit" (Prediger Salomo 3, 7). Wie es am Tage des Christen bestimmte Stunden für das Wort gibt, besonders die gemeinsame Andachts- und Gebetszeit, so braucht der Tag auch bestimmte Zeiten des Schweigens unter dem Wort und aus dem Wort. Das werden vor allem die Zeiten vor und nach dem Hören des Wortes sein. Das Wort kommt nicht zu den Lärmenden, sondern zu den Schweigenden. Die Stille des Tempels ist das Zeichen der heiligen Gegenwart Gottes in seinem Wort.

Dietrich Bonhoeffer
Ich mag zwar anderer Meinung sein als du, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass du deine Meinung frei aussprechen darfst. Evelyn Beatrice Hall

linde

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23

Freitag, 19. Juli 2013, 08:11

Da steckt sehr viel zum Nachdenken drin! Danke, Rejana!
Ist das aus dem Buch "Gemeinsames Leben"?

24

Freitag, 19. Juli 2013, 19:37


Besonders unter Gläubigen empfinde ich das. Es ist schwer bis unmöglich, sich über Glaubensfragen schlicht und einfach nur auszutauschen.
Stattdessen halten wir dagegen und wundern uns dann noch, dass wir zu Gegnern werden.


Liebe Mirjam, ja, das fällt mir auch immer wieder auf. Vielleicht liegt es daran, dass wir, wenn wir unser Leben auf den Glauben bzw. auf bestimmte Glaubensüberzeugungen gesetzt haben, fürchten, dass jemand diese Basis erschüttert, so dass wir Angst haben, den Halt zu verlieren? Und dann eben aus Angst vehement mit den eigenen Überzeugungen "gegenhalten"? :eissnicht:

Ich freue mich immer, wenn in solchen Diskussionen das Gemeinsame herausgearbeitet wird und nicht nur das Trennende. Sodass man sich gegenseitig respektvoll bereichert, anstatt einander durch Rechthaben zu verletzen. In Anbetracht der Tatsache, dass wir alle nur Stückwerk wahrnehmen können und immer wieder durch Projektionen in die Irre geführt werden, scheint mir das ein guter Weg des Austausches zu sein - auf dem Weg zur Gemeinschaft. :lieblaechel:

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Rejanja

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25

Samstag, 20. Juli 2013, 22:56

Da steckt sehr viel zum Nachdenken drin! Danke, Rejana!
Ist das aus dem Buch "Gemeinsames Leben"?


Ja linde, ist es :,,,1
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Mirjam

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Sonntag, 21. Juli 2013, 15:24

Hallo Rejanja,
danke für diese Gedanken von Bonhoeffer.
Keine leichte Kost, wie ich finde. Wenn ich die Möglichkeit dazu hätte, müsste ich ihm dazu erst einmal einige Verständnisfragen stellen um zu erfassen, was er meint.
Ohne Erklärung jedenfalls sind für mich solche Aussagen
Wer nicht allein sein kann, der hüte sich vor der Gemeinschaft. Er wird sich selbst und der Gemeinschaft nur Schaden tun.

Willst du nicht allein sein, so verwirfst du den Ruf Christi an dich und kannst an der Gemeinschaft der Berufenen keinen Anteil haben.

Wir erkennen: nur in der Gemeinschaft stehend können wir allein sein, und nur wer allein ist, kann in der Gemeinschaft leben. Beides gehört zusammen.

Wer nicht allein sein kann, der hüte sich vor der Gemeinschaft. Wer nicht in der Gemeinschaft steht, der hüte sich vor dem Alleinsein.

nur schwer zu erfassen.
Ich kann nicht allein sein, soll mich darum vor Gemeinschaft hüten, kann aber nur in der Gemeinschaft stehend allein sein (oder auch lernen allein zu sein) und soll ja auch nicht ohne Gemeinschaft bleiben, kann aber nur in diese kommen, wenn ich allein sein kann?? gruebli
Was für ein "nicht-allein-sein-können" ist denn hier gemeint?
Für mich ist es auch noch ein Unterschied, ob ich nicht allein sein KANN, oder ob ich nicht allein sein WILL.
Und für mich ist es auch ein Unterschied, ob ich mich alleine oder einsam fühle. Einsamkeit ist für mich ein viel tieferes (negatives) Empfinden, als "nur" allein zu sein (weil andere gerade keine Zeit haben).
Für Bonhoeffer scheint es nun keinen Unterschied zu machen, ob jemand nicht allein sein KANN oder nicht WILL, und auch allein sein und Einsamkeit scheint für ihn dasselbe zu sein. Jedenfalls benutzt er diese Wörter willkürlich, wie mir scheint.

Wenn Du oder ein anderer Mitleser ihn besser verstehst als ich, würde ich mich über den Versuch einer Erklärung freuen :)

Vielleicht liegt es daran, dass wir, wenn wir unser Leben auf den Glauben bzw. auf bestimmte Glaubensüberzeugungen gesetzt haben, fürchten, dass jemand diese Basis erschüttert, so dass wir Angst haben, den Halt zu verlieren?

Hallo Malu,
Ja, Angst davor den Halt (oder das Heil?) zu verlieren ist sicherlich ein Grund für Streit.
Und ebenso die tiefe Überzeugung, die Wahrheit erkannt zu haben und auf dem Weg ins Leben zu sein. Verlasse ich die Wahrheit, lasse sie los, gehe ich ja, nach meiner Überzeugung, verloren. Das will ich nicht. Also klammere ich mich an "meiner Wahrheit" fest. Vermittle aber gerade dadurch meinem GEGEN-über, dass er/sie verloren geht, wenn er/sie "meine Wahrheit" nicht glaubt. Das lässt er/sie natürlich so nicht stehen, weil er/sie ebenso "seine Wahrheit" hat und ebensowenig verloren gehen will.
Und schon haben wir, anstatt Gemeinschaft Streit.
Nämlich darum, wer "das rechte" glaubt und nicht verloren geht.

Trauen wir uns denn einmal (vielleicht in einem neuen Thread?) darüber zu reden, was wir glauben, was uns rettet?
Was lassen wir uns denn keinesfalls wieder rauben?
Und was müssen Menschen unbedingt wissen und erfahren, um gerettet zu werden?
Denn in vielen Diskussionen die im Streit enden geht es ja nicht nur darum, dass ich meine eigene Haut retten will, sondern auch darum, dass ich möchte, dass meine Mitmenschen auch gerettet werden.
Und dazu müssen sie unbedingt wissen, dass....
Ja, was eigentlich?

In den Gedanken, die wir hier in den einzelnen Beiträgen zusammengesammelt haben, liegen für mich noch sehr viel mehr "Puzzleteilchen", die alle irgendwie zum Thema gehören und doch wert sind, einmal einzeln betrachtet zu werden. Sozusagen die "Puzzles im Puzzle" :).
Geht das nur mir so?

Euch allen noch einen schönen sonnigen Sonntag - Mirjam :rasensprenger:
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linde

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Sonntag, 21. Juli 2013, 16:47



Liebe Mirjam,

ich denke - ohne das Buch nochmal gelesen zu haben - dass es darum geht, Einseitigkeiten zu vermeiden.

Wer nicht allein sein kann, der hüte sich vor der Gemeinschaft. Er wird sich selbst und der Gemeinschaft nur Schaden tun.


Wer denkt, dass er seinen Glauben nur allein mit Gott leben kann, der täuscht sich: auch die Gemeinschaft mit anderen Gläubigen ist nötig. Sonst kann er beispielsweise leicht abdriften in einen falschen Glauben. Die anderen Mitgläubigen, die ihm ja fehlen, könnten ihm Korrektur, Unterstützung, Trost geben. Das alles fehlt ihm.

Willst du nicht allein sein, so verwirfst du den Ruf Christi an dich und kannst an der Gemeinschaft der Berufenen keinen Anteil haben.


Es kann aber auch das andere Extrem geben: dass man in der Gemeinschaft völlig aufgeht und nicht wahrnimmt, dass Glaube auch eine persönliche Sache zwischen Gott und der einzelnen Person ist. Dass Gott z.B. nicht nur zur Gemeinschaft als Ganzer, sondern auch zum einzelnen, in die Lebenssituation eines einzelnen hineinredet.

Wir erkennen: nur in der Gemeinschaft stehend können wir allein sein, und nur wer allein ist, kann in der Gemeinschaft leben. Beides gehört zusammen.


Wo das Alleinsein nicht übermächtig wird in unserem Leben und Gemeinschaft auch ihren wichtigen Platz im Leben hat, kann man in der richtigen Weise allein sein - und umgekehrt.

Wer nicht allein sein kann, der hüte sich vor der Gemeinschaft. Wer nicht in der Gemeinschaft steht, der hüte sich vor dem Alleinsein.


Das ist natürlich sehr pointiert ausgedrückt, aber vielleicht jetzt verständlicher?



Rejanja

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28

Dienstag, 23. Juli 2013, 00:30

Mirjam,

Ich gehe demnächst nochmal genauer darauf ein, ich schreib grad vom.Tablet, das dauert dann zu lange, und macht zu viele Fehler.
Nur eines: Bonhoeffer spricht gar nicht von Einsamkeit jur einmal, als er sagt, das Stummsein nicht Einsamkeit schafft. Ansonsten redet er.vom "Alleinsein". Ich sehe Eisamkeit dort auch als etwas.negatives, wie du es schriebst, insofern sehe ich da bei Dir nur Verständnisschwierigkeiten, also nix schlimmes.oder so.
Ich werds versuchen demnächst mal.mit anderen Worten zu beschreiben, vielleicht verstehst du dann besser, was er meint,wenn ich wieder am PC hocke,ja?
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Mirjam

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Freitag, 26. Juli 2013, 15:20

Danke Linde und Rejanja für eure Erklärungsversuche.

Zitat von »Rejanja«

Ich werds versuchen demnächst mal.mit anderen Worten zu beschreiben, vielleicht verstehst du dann besser, was er meint,wenn ich wieder am PC hocke,ja?

Ich freu' mich drauf :)
Z.Zt. komme ich auch nicht zum Schreiben.

Liebe Grüsse an euch alle und ein schönes WE - Mirjam :wink1:
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>> Gast <<

unregistriert

30

Sonntag, 28. Juli 2013, 15:09

Hinweis:

Eine echte Gemeinschaft drückt sich darin aus, dass man sich regelmäßig die Füße wäscht in Jesu Christi, dass die Frauen eine weisse Kopfbedeckung tragen im Gebet und einer Gemeinschaft in Jesu Christi und das vor allem man das Wort Gottes respektiert und zu ihm nicht Bibel, sondern hl. Schrift sagt: siehe: 2. Timotheus 3, 15. Wer nämlich weiterhin Bibel sagt, der spottet über das Wort Gottes und merkt nicht, dass der Satan damit angegriffen hat. In den 10 geboten steht, du sollst auch kein falsches Zeugnis reden, wenn du, wie Jesus zum reichen Jüngling gesagt hast, leben willst, so halte diese Gebote auch! Und das bedeutet, wer aber auf den Betrug der Sünde vom Satan reinfällt, der wird ein Problem haben, errettet zu werden. Psalm 1 steht ja, wohl dem, der NICHT wandelt im Rat der Gottlosen, noch sitzt, wo die Spötter sitzen ... ich betrachte es als einen modernen Spott Satans, der sich ins Fäustchen lacht, 99% aller Christen mit dem Virus Bibel verseucht zu haben, denn sie spotten dadurch irdisch. Und diese irdische Weisheit ist teuflisch nicht aber von Gott! --- viel will ich nicht schreiben ... ich segne euch in Jesu Christi. (Nachweis: 2. Timotheus 3, 15) - noch etwas: es werden in der letztn Zeit Spötter sein. Und der Spott ist leider schon voll im 5. Gang!

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